Ausstellung CONTEMPORARY PREHISTORIES

eine visuelle, auditive und synästhetische Kartographie

Felicitas Thun-Hohenstein

Die für 2022 geplante Ausstellung CONTEMPORARY PREHISTORIES wird eine visuelle, auditive und synästhetische Kartographie, der in den unterschiedlichen künstlerischen und wissenschaftlichen Formaten erarbeiteten Forschungsergebnisse des Dissident Goddess Network bis 2022 zeichnen, um diese im Sinne eines work in progress mit visionären und utopischen Zukunftsentwürfen erneut in Bewegung zu bringen.

Ausgehend von der sich auflehnenden Mädchenfigur, nach dem Beispiel der Anti-Elektra, werden die einer Revision unterzogenen Mädchen- und Frauennarrative als Transformationspotential für eine Gesellschaft in Bewegung im Sinne einer performativen Her-storisierung stark gemacht. Ziel der Ausstellung ist, ein alternatives Narrativ von heutiger Kunst in Ressonanz mit den dem Forschungsprojekt zu Grunde liegenden historischen Bezugsobjekten, wie etwa der Venus von Willendorf, zu entwickeln.
Temporär in Dialog mit den Forschungskoordinaten des DISSIDENT GODDESSES’ NETWORK treten dabei eine breite Auswahl von KünstlerInnen mit verschiedenen kulturellen Hintergründen, deren Werke ihre soziokulturellen, politischen, ökonomischen, ethnischen, geschlechtlichen und sexuellen Identitäten manifestieren.

Bei gleichzeitiger Anerkennung der grundlegenden Differenzen im Leben von Frauen und der Bedeutung von Feminismus weltweit, fordert die Ausstellung auch den monokulturellen, sogenannten Erste Welt-Feminismus heraus der von der Gleichheit aller Frauen ausgeht. Die Hoffnung besteht darin, dadurch einen flexibleren, weniger
restriktiven Raum für Feminismen als weltweites, aktivistisches Projekt zu öffnen.
Dabei wird eine kuratorische Strategie produktiv gemacht, die diese gleichermaßen diversen, wie ähnlichen künstlerischen Arbeiten mit dem historischen Material in Dialog bringt und uns so, in Ella Shohats Worten, „unterirdische, unerkannte Formen von Feminismus“ neu lesen lässt.

Um die Verschiedenheiten, die partikularen Differenzen und notwendiger Weise vielfältigen Antworten hervorzuheben, die Künstlerinnen für ähnliche Themen entwickelt haben folgt die Ausstellung weder einer linearen Chronologie, noch einer geografischen Darstellung, sondern organisiert sich in den vier Forschungsschwerpunkten des vorliegenden Projektes:

  • Venus – Goddess
  • Erotik, Liebe, Mutterschaft: Eine gemeinsame Urgeschichte zwischen Natur und Kultur – viele regionale und lokale Besonderheiten
  • Liebe und Mutterschaft als Experiment und Performance. Weibliche Wissensformen und Methoden des Wissenstransfers
  • Matrix: Das Wissen der Frauen in Zeiten der Demografischen Wende und der Reproduktionsmedizin

Die vier Sektionen, in die die Ausstellung gruppiert wird, sollen
jedoch nicht als universelle Kategorien, sondern als Versuch verstanden werden, die Werke so lose wie möglich im Hinblick auf jene Gegenstandsbereiche und Konzepte zu organisieren, die sich im Laufe der vier Forschungsjahre herauskristallisiert haben.
KünstlerInnenliste:
Inhaltlich verwandte intermediäre Positionen, wie die künstlerischen Arbeiten von
Pilar Albarracín, Ghada Amer, Renate Bertlmann, Zoulikha Bouabdellah, Tania Bruguera, Lilibeth Cuenca Rasmussen, Carola Dertnig, Anne Imhof, Sonia Khurana, Roberta Lima, Valérie Mréjen, Tanja Ostojic, Boryana Rossa, Elisabeth von Samsonow oder Jenny Saville bieten bereits jetzt eine tragfähige Grundlage für initiale Auseinandersetzungen inhaltlicher und formalästhetischer Natur.

Die hier angeführte KünstlerInnenliste kann jedoch zum jetzigen Zeitpunkt nur als beispielgebend für eine Auswahl gelten, die sich letztendlich im Dialog mit den Forschungsfragen und –ergebnissen entwickelt.