Das Matrixiale

Die Menge aller Arten von Müttern

Arantzazu Saratxaga Arregi

Ausgehend von der Kategorie „das Matrixiale“ bzw. „die Menge aller Arten von Müttern“ stellt sich meine Forschung der Herausforderung, das Phänomen/ den Signifikant Göttinnen näher zu betrachten. Unter Göttinnen wird hier das Sakrale-Weibliche verstanden bzw. eine von der Entwicklungskraft bzw. Gestaltungs- und Bildungskraft bestimmte Gattung, der das Numinose zugeschrieben wird. Das Mysterium der weiblichen Gottheiten wird insofern auf der Basis der besonderen Stellung der Mutter betrachtet, was weitreichende ontologische Konsequenzen hat, u.a. die Tatsache, dass ihr Körper als Schnittstelle zwischen der Weltlichkeit und der Weltlosigkeit steht.

Bei dieser Aufgabe handelt es sich um ein doppeltes Forschungsprojekt: Zuerst zielt diese Forschung auf eine theoretische Revision und Analyse der durch den Elementarcharakter der weiblich definierten Gottheiten festgestellten Rede. Anschließend folgt eine Hermeneutik der symbolischen Sinndeutung der Venus-Figurinen der Altsteinzeit//eine hermeneutische Deutung der Repräsentationsordnung der Venus-Figurinen der Altsteinzeit.

Projekt A: Demeter Galaxis in der Diskussion

Dieses Teilprojekt besteht darin, die bisher den Göttinnen beigemessenen Deutungen und Attribute im Kontext der Kultur einer kritischen Analyse zu unterziehen. Diese diskursanalytische Kritik erfordert für die Figuren der Göttinnen einerseits eine an deren Eigenschaften und strukturellen Merkmalen ausgerichtete Archivierungs- und Anordnungsarbeit und zweitens einen kritisch-hermeneutischen Blick auf die Attribute, welche ihnen gegeben wurden: Schönheit, Liebe, Fruchtbarkeit etc.

Der diskursive Kernpunkt dieser Analyse besteht in einem kritischen Blick auf den Zusammenhang zwischen den Göttinnen und der symbolischen Ordnung der Mütter. Unter welchen Wissensordnungen findet die Rede von den Müttern in der Geschichte der Kultur statt? In dieser Forschung wird die Ansicht vertreten, dass der Mutter-Signifikant die symbolische Ordnung einer Kultur stark geprägt hat. Die Frage ist, wofür dieser Signifikant steht. In diesem Sinne erstrebt diese Forschung eine Revision der Redeordnungen vom Muttermythos und der Matriarchatstheorien sowie vor allem eine entsprechende Neubewertung der Mutterinstitution bzw. der von Müttern geregelten sozialen und ökonomischen Systeme.

Projekt B: Eine morphogenetische Deutung zum Phylum Venus: Das Numinose-Weibliche als symbolische Différance

Dieses Projekt handelt von einer Hermeneutik der symbolischen Ordnung der in der Altsteinzeit aufgefundenen Figurinen, welche die Gattungsbezeichnung „Venus“ tragen. Hierbei geht es darum, die Repräsentationsordnung der figürlichen Darstellung der Venus-Figurinen zu reflektieren. Die Venus Figurinen werden hierbei als Gattung betrachtet.

In dieser Hinsicht geht es darum, sich im Hinblick auf die betonten und hervortretenden Merkmale der Figürchen von der positivistischen Repräsentationsordnung, in der die Figuren eins zu eins ihre besondere Wahrheit ausdrücken, zu entfernen und eine morphogenetische Erklärung für die Phylogenese der Göttinnen zu finden. Zu diesem Zweck soll der Morphologie und Figuration der Venusfigurinen der Altsteinzeit bzw. den für die Ganzheit des Kunstobjekts wesentlichen Merkmalen besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden.

Die in Erscheinung tretende Gestalt steht aus der Sicht des Matrixialen – welches die Differenz zwischen der Weltlichkeit und Weltlosigkeit in sich enthält – für eine symbolische Différance. Diese markiert eine symbolische Individuation. Dies bedeutet, dass das externalisierte bzw. entäußerte Zeichnungssystem eine Singularität und zugleich ein Zeichen eines Verlustes darstellt, und sie steht für eine symbolische Individuation.

Das Ziel dieses Projekts besteht in einer ästhetischen Zusammenhangsreflexion zwischen der symbolischen Individuation und der Figuration des Kunstobjektes. Es gelingt durch eine morphogenetische Lesart der Gestalten und Muster der Venusfigurinen bzw. eine Analyse der Entwicklung der morphologischen Singularitäten der Figurinen im Laufe der Vorgeschichte, wobei anzunehmen ist, dass die in Erscheinung tretenden Merkmale eine symbolische Differenz verdeutlichen.